Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Fachbereich Allgemeine Verwaltung

Projekt "Wendisch-Burger-Fälle"

Gibt es die mecklenburgische Stadt Wendisch Burg? Wer lebt in Altholm? Wo liegt der Ort Gneez? Wer ist Kasper Ohm? Warum eignet sich Hein Loop sehr gut zum Bürgermeister? Wie alt ist Ingrid Babendererde? Woher stammt Zygmunt Rogalla? Und wo ist Balduin Bählamm?

Balduin

Das sind Fragen, die wohl nur noch wenige beantworten können. Stellt man die Fragen in Lehrveranstaltungen, dann bekommt man regelmäßig überhaupt keine Antwort, was in einer Stadt wie Güstrow ganz besonders erstaunlich ist, denn viele Namen haben sehr viel mit Güstrow, Mecklenburg und Norddeutschland zu tun. Warum kennt sie kaum jemand? Es liegt wohl an den Quellen, aus denen die Namen stammen: Bücher und Gedichte norddeutscher Schriftsteller. Bestimmte Texte werden anscheinend kaum mehr gelesen und daher entfalten sie bei vielen, für die sie geschrieben wurden, keine Wirkung mehr. Wie schade!

Das Projekt „Wendisch-Burger-Fälle“ möchte diesem Misstand begegnen. Es möchte die Orte und Figuren bedeutender norddeutscher Autoren wieder bekannt machen und damit ein wenig zur Freude an guter und schöner Literatur beitragen. Denn: Nicht nur ein Gesetzestext und ein Lehrbuch lässt sich mit Begeisterung lesen, auch Uwe Johnson, Walter Kempowski, Fritz Reuter, Wilhelm Busch, Hans Fallada und Siegfried Lenz (um nur einige wenige in zufälliger Reihenfolge zu nennen) haben Dinge geschrieben, die wichtig sind und glücklich machen können. Man muss nur einmal (wieder) daran erinnert werden!

Deshalb haben einige Dozenten des Fachbereichs Allgemeine Verwaltung in ihre Fälle Orte wie z.B. „Gneez“ und Figuren wie z.B. „Kasper Ohm“ aufgenommen und ihre Fallsammlungen „Wendisch-Burger-Fälle“ genannt. Sie versprechen sich davon auch und gerade für die Ausbildung einiges:

  • Wer gute Bücher liest, stärkt seine Ausdruckskraft. Und Ausdruckskraft ist nötig, wenn man in seinem späteren Beruf andere von seinen Entscheidungen überzeugen muss.
  • Wer Bücher norddeutscher Autoren liest, ihren Humor kennenlernt, über ihre Beschreibungen der heimatlichen Landschaft und deren Bewohner nachdenkt, lernt auch etwas über die Mentalität derer, die er später von seinen Entscheidungen überzeugen muss.
  • Und wer gerade Uwe Johnson liest, ist gezwungen, genau zu lesen. Und wer genau lesen kann, kann auch Entscheidungen richtig treffen und damit deren Adressaten überzeugen.

Letzteres war den Dozenten besonders wichtig. Deshalb heißen die Fallsammlungen auch „Wendisch-Burger-Fälle“, weil Wendisch Burg der Ort ist, in dem „Ingrid Babendererde“, der erste Roman Uwe Johnsons, spielt. Darüber hinaus gleicht Wendisch Burg – zumindest in gewisser Hinsicht – der Stadt Güstrow, dem Heimatort Johnsons und unserer FH. Und schließlich: Auch Johnson hat in seinen Werken Fiktion und Realität vereint. Damit tat er – sozusagen vorbildlich - genau das, was Dozenten als Erfinder von juristischen Schulfällen auch tun.

Mit den Wendisch-Burger-Fällen sollen aber nicht nur kulturelle, sondern auch didaktische Zwecke verfolgt werden. Wenn die Fälle in verschiedenen Modulen immer in denselben Gemeinden und mit denselben Personen spielen, und wenn es bei der Lösung der Fälle regelmäßig auf die Anwendung desselben (Orts-)Rechts ankommt, dann, so die Hoffnung, erkennen die Studenten die Verbindungen zwischen den Modulen und ihnen wird klar, dass ihre spätere berufliche Tätigkeit keineswegs modularisiert, sondern komplex und gerade deshalb so interessant ist.

Die Fallsammlungen sind noch nicht vollständig auf die neuen Namen umgestellt. Einiges liegt noch brach. Immer noch finden sich in Fällen Personen, die sehr schlicht A oder B heißen. Aber die „Wendisch-Burger-Fälle“ sind ja ein dauerndes Projekt. Deshalb freuen wir uns über jede Anregung zur Änderung und/ oder Ergänzung unserer Orts- und Personenliste, die Sie entweder an t.freund@fh-guestrow oder k.himmerkus@fh-guestrow schicken können.